Alkoholsucht rechtfertigt keine fristlose Kündigung

16. Oktober 2015

Es ist für den Arbeitgeber sicherlich eine schwierige Situation, wenn ein langjähriger Mitarbeiter plötzlich mehrfach unentschuldigt seiner Arbeit fernbleibt. Schon seit 23 Jahren gehörte der Lagerarbeiter zur Belegschaft des Unternehmens in Rheinland-Pfalz. Zuletzt wurde er als Staplerfahrer in einem Lebensmittelumschlaglager eingesetzt. Hier war er dafür zuständig, die Paletten mit den Lebensmitteln pünktlich zur Abholung durch die LKWs an der Rampe bereitzustellen.

Seit Juni 2013 kam es jedoch immer wieder vor, dass der Mann unentschuldigt fehlte und sich die Betriebsabläufe dadurch erheblich verzögerten. Andere Mitarbeiter mussten die Aufgaben des Staplerfahrers kurzfristig und ungeplant übernehmen und wurden dadurch stärker belastet. Der unzuverlässige Mitarbeiter erhielt daher für sein unentschuldigtes Fehlen im Juni, Oktober und November 2014 mehrere Abmahnungen. Wie sich herausstellte bestand bei dem Mann ein Alkoholproblem. Vor einigen Jahren hatte er sich bereits einer Therapie unterzogen, ohne den Arbeitgeber darüber zu informieren. Während der Behandlungszeit hatte er sich Urlaub genommen. Persönliche Schicksalsschläge, wie der Tod der pflegebedürftigen Mutter und der Krebstod der Schwester, führten jedoch zu einem Rückfall. Der Arbeitnehmer wurde für die Behandlung zeitweise krankgeschrieben. Zwischendurch kam es jedoch immer wieder zu weiteren unentschuldigten Fehltagen.

Nachdem der Mann am 02.05.2014 erneut, zunächst ohne Angaben von Gründen, nicht am Arbeitsplatz erschienen war, hatte der Arbeitgeber endgültig die Nase voll und sprach die Kündigung aus. Der Mitarbeiter erklärte aber, dass er irrtümlich angenommen habe, dass er an dem besagten Tag Urlaub genommen hätte und klagte gegen die Kündigung. Das LAG Rheinland-Pfalz gab der Kündigungsschutzklage des Lagerarbeiters statt. Der Arbeitgeber habe das unentschuldigte Fehlen in der Vergangenheit nicht zum Anlass für eine verhaltensbedingte Kündigung genommen sondern lediglich Abmahnungen ausgesprochen. Die Begründung des Arbeitnehmers für sein Fernbleiben von der Arbeit am letzten Fehltag vor der Kündigung, sei nicht als Schutzbehauptung zu identifizieren. Das erklärte das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz in seinem Urteil vom 05.05.2015 (Aktenzeichen 7 Sa 641/14).

Zudem erklärte das Gericht, dass eine Alkoholsucht keine verhaltensbedingte Kündigung rechtfertige. Das Fehlverhalten des Mitarbeiters ist durch die Krankheit nicht schuldhaft. Wenn die betrieblichen Interessen beeinträchtigt werden, könne Alkoholsucht allerdings eine krankheitsbedingte Kündigung zur Folge haben. Wenn der Arbeitnehmer aber nüchtern am Arbeitsplatz erscheint, seine Pflichten ordnungsgemäß erfüllen kann und für die Zukunft eine positive Entwicklung zu erkennen ist, dann ist auch die Krankheit kein Kündigungsgrund.

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