Fehlverhalten Dritter rechtfertigt keine Kündigung

23. Dezember 2015

Das Arbeitsgericht Aachen entschied in einem jetzt bekannt gewordenen Urteil, dass eine Auseinandersetzung zwischen dem Arbeitgeber und dem Ehemann einer Mitarbeiterin kein hinreichender Grund für eine arbeitgeberseitige Kündigung ist. Selbst wenn die Fäuste fliegen.

Seit dem 1. April 2014 war die Arbeitnehmerin als Arzthelferin bei dem beklagten Arbeitgeber, einem Orthopäden, beschäftigt. Um der Arbeitnehmerin nachträglich zum Geburtstag zu gratulieren, übergab der Arbeitgeber ihr am 28. Februar 2015 noch eine Gutscheinkarte und dankte ihr für ihren Einsatz.

Für Umbauarbeiten in dessen Praxis und Privathaus hatte der Ehemann der Arbeitnehmerin mit deren Arbeitgeber einen Werkvertrag abgeschlossen. Zwischen dem Orthopäden und dem Ehemann kam es hinsichtlich dieser Umbaumaßnahmen und deren Abrechnung am 17. März 2015 zu einer Auseinandersetzung. Was im Einzelnen geschah, stand zwischen den Prozessparteien im Streit.

Gegenüber Dritten soll der Arbeitgeber erklärt haben, dass der Ehemann ihn fast bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt, geschlagen und getreten habe. Er versuchte am Ende der Auseinandersetzung vergebens, dem Ehemann eine Kündigung für die Arbeitnehmerin zu übergeben. Noch am selben Tag warf der Orthopäde diese Kündigung also in den Briefkasten der Arbeitnehmerin ein.

Der Arbeitgeber räumte im Rahmen des Prozesses ein, dass die Auseinandersetzung mit dem Ehegatten für die ausgesprochene Kündigung insoweit eine Rolle gespielt habe, als dass er wegen des völligen Zerwürfnisses mit dem Ehemann mit der Arbeitnehmerin nicht mehr weiter arbeiten wollte.

Ein mögliches Fehlverhalten des Ehemanns der Arbeitgeberin rechtfertigte nach Auffassung der 2. Kammer des Arbeitsgerichts Aachen die Kündigung nicht. Eine Zurechnung finde nicht statt, da die Rechtssphären der Eheleute voneinander getrennt zu betrachten seien (Urteil vom 30.09.2015, Az: 2 Ca 1170/15).

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