Fristlose Kündigung nach Karnevalsfeier

12. Februar 2016

Die Narrenzeit steht kurz vor ihrem Höhepunkt und sowohl Städte als auch Unternehmen feiern diese in unterschiedlichsten Varianten. Jedoch unabhängig davon, ob man Karneval, Fasching oder Fastnacht feiert, muss man Recht und Gesetz achten. Wer auf einer Betriebsfeier Kollegen verletzt, riskiert auch während den närrischen Tagen eine fristlose Kündigung.

Seit dem Jahr 1987 war der schwerbehinderte Kläger bei der Beklagten, einem Versicherungsunternehmen, als Einkaufssachbearbeiter tätig. Am Altweibertag 2015 nahm er auf dem Betriebsgelände der Beklagten an einer Karnevalsfeier teil. Er hatte sich für diesen Anlass als Al Capone kostümiert.

Im Laufe der Feier versuchten zwei Damen mehrfach, dem Kläger die Krawatte abzuschneiden, was dieser ablehnte. Kurz danach kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen dem Kläger und einem als Clown kostümierten Kollegen. Dieser behauptete, der Kläger habe den als Clown verkleideten Mitarbeiter in den Unterleib getreten und ihn in das Gesicht geschlagen. Danach habe er dem Clown, einem Brillenträger, unmittelbar  den Inhalt eines Bierglases in das Gesicht geschüttet und ihm dann das leere Bierglas mit der Vorderseite in das Gesicht gestoßen. Hierbei sei das Bierglas zersplittert. Ein Notarzt habe anschließend mehrere Glassplitter aus der Stirn entfernt.

Der Kläger trägt u.a. vor, dass er zunächst von den Damen, die ihm die Krawatte abschneiden wollten, beleidigt worden sei. Von dem als Clown kostümierten Mitarbeiter sei er fortwährend und auch in der streitigen Situation u.a. mit den Worten „blöder Wichser“ bzw. „dämliches Arschloch“ beleidigt worden, weil er angeblich eine der Damen zu hart angefasst habe. Der Kläger habe den Clown zunächst von sich weggestoßen und dann nach ihm getreten, ohne ihn zu berühren. Er habe befürchtet, dass der Clown ihn angreifen werde. Anschließend habe er keine genaue Erinnerung mehr. Er behauptet, dass er aufgrund einer krankheitsbedingten Angststörung reagiert habe, weil er sich bedroht gefühlt habe. Demnach sei er zum angeblichen Tatzeitpunkt schuldunfähig gewesen.

Nach Zustimmung des Integrationsamtes und Anhörung des Betriebsrates kündigte der beklagte Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis fristlos. Hiergegen wehrt sich der Kläger, das Arbeitsgericht jedoch hat die Klage abgewiesen. Die Berufung des Klägers richtet sich dagegen.

Auch die Berufung blieb nach Hinweis der Deutschen Anwaltauskunft ohne Erfolg. Die Kündigung erfolgte nach Auffassung des LAG Düsseldorf zu Recht. Wenn man seine Kollegen angreift, muss man mit einer fristlosen Kündigung rechnen. Auch, wenn die Auseinandersetzung auf einer Betriebsfeier stattfindet. Selbst vermeintliche Angstzustände rechtfertigen seine Taten nicht. So entschied das LAG Düsseldorf (13 Sa 957/15).

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