Krank – und Ihr Arbeitsplatz?

28. August 2015

Es kann jeden treffen – ein Knochenbruch bei einem Unfall, eine schwere Erkrankung mit vielen Therapien oder ein Burn-Out – und schon ist man für einen längeren Zeitraum arbeitsunfähig. Neben den Sorgen, die durch die Verletzung oder Krankheit entstanden sind, kommt dann häufig noch die nackte Angst um die Existenz dazu. Welche Rechte habe ich in diesem Fall? Kann ich meinen Job verlieren, weil ich arbeitsunfähig bin? Ganz unbegründet ist diese Sorge leider nicht, denn krankheitsbedingte Kündigungen haben in den letzten Jahren stark zugenommen.

Ich bin krank – kann ich deshalb meinen Job verlieren?

Der Gesetzgeber hat es dem Arbeitgeber glücklicherweise nicht ganz so leicht gemacht, eine Kündigung wegen Arbeitsunfähigkeit auszusprechen. Eine der erforderlichen Voraussetzungen für eine krankheitsbedingte Kündigung ist beispielsweise, dass Sie in drei aufeinanderfolgenden Jahren jeweils mindestens mehr als sechs Wochen krank gewesen sein müssen. Zudem muss Ihnen eine negative Gesundheitsprognose nachgewiesen werden, die erhebliche Auswirkungen auf den Betriebsablauf haben würde. Was das tatsächlich bedeutet, muss im Einzelfall geklärt werden. Eine solche Prüfung, sowie die Unsicherheit, ob der Arbeitsplatz erhalten bleibt, sorgen natürlich für zusätzliche seelische Belastungen. Hinzu kommt die Frage, ob Sie letztendlich noch für einen Arbeitgeber tätig sein möchten, der Sie loswerden wollte, als Sie in der Krise steckten. Das ist für alle Beteiligten keine schöne Situation.

Mit stufenweiser Wiedereingliederung zurück an den Arbeitsplatz

Glücklicherweise ist diese Vorgehensweise nicht die Regel. Viele Betriebe wollen sich gar nicht von ihren langjährigen Mitarbeitern trennen, nur weil ein Schicksalsschlag die Arbeitsroutine unterbrochen hat. Stattdessen sucht man nach einer praktikablen Lösung, um die Rückkehr des Arbeitnehmers zu ermöglichen. Stufenweise Wiedereingliederung heißt hier das Zauberwort. Laut Artikel 1 Paragraf 84 des Sozialgesetzbuches ist Ihr Arbeitgeber sogar dazu verpflichtet, Ihnen ein betriebliches Eingliederungsmanagement anzubieten. In Rücksprache mit dem Werks- oder Betriebsarzt, dem zuständigen Integrationsamt – und natürlich mit Ihnen – kann der Arbeitgeber einen passenden, individuellen Zeitplan für die Wiedereingliederung erarbeiten.

Individueller Zeitplan hilft beim Wiedereinstieg ins Berufsleben

Die Stufenweise Wiedereingliederung ist eine freiwillige Maßnahme. In Absprache mit Ihren Ärzten und Ihrem Arbeitgeber sowie Ihrem Rentenversicherungsträger entwickeln Sie einen Stufenplan und legen einen Starttermin fest. Jetzt probieren Sie mit einer deutlich reduzierten Stundenzahl aus, ob Sie schon wieder bereit für Ihren Arbeitsplatz sind. Wenn alles gut funktioniert, steigern Sie Ihr Arbeitspensum nach dem festgelegten Zeitplan immer weiter. Sie nehmen so wieder aktiv am Betriebsgeschehen teil, haben persönlichen Kontakt zu Ihren Kollegen, und nehmen dabei Rücksicht auf Ihre Gesundheit.

Sollten Sie an Ihrem alten Arbeitsplatz zu diesem Zeitpunkt noch nicht wieder einsatzfähig sein, so kann Ihnen Ihr Arbeitgeber eine andere Tätigkeit anbieten. Gerade bei körperlicher Arbeit kommt diese Variante häufiger zum Tragen. Ein Lagerarbeiter mit gebrochenem Ellenbogen kann sicherlich nicht schon nach kurzer Zeit wieder zum Paletten verschieben eingesetzt werden, in der Lagerlogistik könnte er jedoch eine große Unterstützung sein.

Suchen Sie frühzeitig das Gespräch mit Ihrem Arbeitgeber und signalisieren Sie, dass Sie trotz Ihrer Erkrankung gerne an Ihren Arbeitsplatz zurückkehren möchten. Sobald es Ihre Gesundheit dann zulässt und Ihr behandelnder Arzt einverstanden ist, steht einer Wiedereingliederung nichts mehr im Wege. Und für Sie kehrt nach Ihrer Arbeitsunfähigkeit Schritt für Schritt wieder Normalität ein.

Haben Sie Fragen hierzu oder zum Arbeitsrecht insgesamt? Rechtsanwalt für Arbeitsrecht in Heilbronn und Heidelberg – gerne für Sie da!



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