Kündigung statt Jackpot

30. September 2015

Glücksspiel-Telefonate am Arbeitsplatz

Beim Gewinnspiel eines regionalen Radiosenders am Niederrhein lagen stolze 26.000 Euro im Jackpot. Die Hörer mussten nur ein „geheimnisvolles Geräusch“ erraten. Eine Bürokauffrau wusste die Lösung und rief von ihrem Diensttelefon in den Arbeitspausen 37 mal bei der kostenpflichtigen Hotline an. Das Gewinnspiel hat der Angestellten aber nicht das erhoffte Glück gebracht. Statt den Jackpot zu knacken, verlor sie ihren Arbeitsplatz. Ihr Arbeitgeber entdeckte die Abbuchungen für die Anrufe nach ein paar Tagen auf seinem Kontoauszug und kündigte seiner Arbeitnehmerin fristlos.

Der Arbeitgeber hatte seinen Mitarbeitern zwar erlaubt, private Anrufe auch über das geschäftliche Telefon zu tätigen. Kostenpflichtige Sondernummern hatte er jedoch nicht genehmigt, allerdings auch nicht explizit verboten. Und, obwohl die Angestellte ihrem Chef anbot, die angefallenen Telefonkosten von 18,50 Euro zu ersetzen, erhielt sie statt Nachsehen eine außerordentliche fristlose Kündigung. Diese scharfe Reaktion des Arbeitgebers hielt die Bürokauffrau für übertrieben und erhob gegen diese Kündigung Kündigungsschutzklage vor dem zuständigen Arbeitsgericht.

Sowohl das zuständige Arbeitsgericht Wesel als auch das Landesarbeitsgericht Düsseldorf in der Berufungsinstanz stuften die außerordentliche fristlose Kündigung der Klägerin als unwirksam ein (vgl. Arbeitsgericht Wesel, 3 Ca 393/15, Urteil vom 13.05.2015 Landesarbeitsgericht Düsseldorf, 12 Sa 630/15, Urteil vom 16.09.2015).  Denn beide sahen das Anrufen einer solchen kostenpflichtigen Nummer vom Diensttelefon zwar als Pflichtwidrigkeit und damit arbeitsvertragswidriges Verhalten an, jedoch nicht als ein so gravierendes, dass eine so harte Maßnahme wie eine außerordentliche fristlose Kündigung gerechtfertigt wäre. Zu Gunsten der Arbeitnehmerin sprach hierbei noch, dass die Nutzung des Diensttelefons nicht eindeutig geregelt war.

Im Ergebnis hat diese Entscheidung der Gerichte der Arbeitnehmerin jedoch nicht viel genutzt.

Denn, da sie erst seit einem Jahr in dem Unternehmen beschäftigt war, hatte sie eine sehr kurze Kündigungsfrist. Der Arbeitgeber konnte zwar seine außerordentliche fristlose Kündigung nicht durchsetzen, trennte sich jedoch dennoch von seiner Angestellten durch eine ordentliche Kündigung.

Die Arbeitnehmerin hat einen neuen Arbeitsplatz gefunden. Ob sie weiterhin dienstliche Telefone für Gewinnspiele benutzt, ist unbekannt.

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