Kündigung wegen 8 Brötchen?

22. Juli 2015

Selbst bei Entwendung geringwertiger Gegenstände kann es zu einer außerordentlichen Kündigung kommen. Das Arbeitsgericht Hamburg musste sich mit einem Fall wegen entwendung von 8 Brötchen befassen. Mit dem Aktenzeichen ArbG-Hamburg_27-Ca-8715 liegt das Urteil im Wortlaut noch nicht vor.

Hintergrund geringfügiger Verfehlungen

Vor dem Arbeitsgericht Hamburg wehrte sich eine Krankenschwester, die seit 1991 in einem Hamburger Krankenhaus angestellt war, gegen eine fristlose Kündigung. Grund für die fristlose Kündigung – 8 Brötchen. Ähnlich ist der Fall einer fünfzigjährigen Supermarktkassiererin aus dem Jahr 2008. Die Supermarktkassiererin bekam wegen Entnahme eines Flaschen-Bons für 1,30 Euro eine Kündigung. Die Kassiererin löste zwei entnommene Kassenbons ein und erhielt sofort eine fristlose Kündigung. Das Gerichtsurteil wurde in diesem Fall, mit dem Aktenzeichen 7 Sa 2017/08, erst durch das BAG aufgehoben. Im Fall mit dem Aktenzeichen ArbG-Hamburg_27-Ca-8715, wird der Krankenschwester vorgeworfen acht belegte Brötchen aus dem Kühlschrank entwendet zu haben und diese im Pausenraum mit anderen Kollegen verzehrt zu haben. Die belegten Brötchen waren für externe Mitarbeiter, wie Rettungssanitäter, im Kühlschrank gelagert. Die Krankenschwester bekam eine fristlose Kündigung.

Urteil – fristlose Kündigung

Laut dem Arbeitsgericht könnte die Entwendung dieser acht belegten Brötchen zu einer fristlosen Kündigung führen. Allerdings müssten die Umstände in diesem Fall geprüft werden und geklärt werden, ob der Arbeitnehmer heimlich oder offen gehandelt hat. Eine Prüfung der Umstände soll zeigen, ob das verloren gegangene Vertrauen nach einer Abmahnung wieder hergestellt werden kann oder ob es als unwiderruflich zerüttet gilt. Außerdem muss abgeklärt werden, wie der Arbeitnehmer mit den Vorwürfen zur Vertragspflichtverletzung umgeht. Die Krankenschwester räumte die Vorwürfe umgehend ein, weil ihr eigenes Frühstück aus dem Kühlschrank geklaut wurde.

Fazit des Gerichts

Bei dem Urteil des Arbeitsgerichtes wird festgehalten, dass selbst bei Entwendung geringfügiger Sachen, wie der 8 belegten Brötchen, ein Grund für eine fristlose Kündigung besteht. Außerdem ist festzuhalten, dass eine Abmahnung als objektives Mittel ausgesprochen werden sollte. Die fristlose Kündigung der Krankenschwester ist in Anbetracht der Umstände unverhältnismäßig. Erst nach einer mündlichen oder schriftlichen Abmahnung sollte es, bei Wiederholung des Fehlverhaltens, zur Kündigung kommen.

Sie haben Fragen rund um das Arbeitsrecht? Als Fachanwalt Arbeitsrecht stehe ich Ihnen in Heidelberg und Heilbronn gerne zur Verfügung.



Schlagwörter: ,

Kanzlei Heidelberg

Heinrich-Neu-Straße 2
69123 Heidelberg
Tel: 06221 75 97 51 2
Karte auf Google Maps

Kanzlei Heilbronn

Roßkampffstraße 8
74072 Heilbronn
Tel: 07131 88 76 777
Karte auf Google Maps