Praktikum zählt nicht zu Probezeit eines Azubis

8. Dezember 2015

Gem. §20 Satz 1 BBiG beginnt ein Berufsausbildungsverhältnis mit einer Probezeit. Ein vorausgehendes Praktikum und dessen Dauer ist nicht darauf anrechenbar (BAG v. 19.11.2015 – 6 AZR 844/14).

Der Kläger bewarb sich im Frühjahr 2013 um eine Ausbildung zum Kaufmann im Einzelhandel. Als Überbrückung schloss das Ausbildungsunternehmen mit ihm einen Praktikantenvertrag bis Juli 2013, die Lehre begann ab August. Eine Probezeit von drei Monaten war im Berufsausbildungsvertrag vorgesehen. Am 29.10.2013 kündigte das Unternehmen diesen Vertrag zum gleichen Tag. Da eine fristlose Kündigung nur innerhalb der Probezeit möglich sei, hielt der Auszubildende die sofortige Beendigung für unwirksam. Da das Praktikum anzurechnen sei, hielt er diese für abgelaufen. Bereits im Praktikum habe sich das Unternehmen bereits ein umfassendes Bild vom Kläger machen können.

Die Klage wurde von den Vorinstanzen abgewiesen und auch die Revision vor dem BAG blieb erfolglos. Ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist gem. §22 Abs. 1 BBiG konnte die Beklagte das Berufsausbildungsverhältnis kündigen. In der Probezeit soll für beide Seiten die Möglichkeit bestehen, die wesentlichen Umstände des Berufsausbildungsverhältnisses mit seinen spezifischen Pflichten eingehend überprüfen zu können. Das Praktikum ist in diesem Fall nicht zu berücksichtigen. Wenn es sich bei der Vortätigkeit um ein Arbeitsverhältnis gehandelt hätte, würde Gleiches gelten.

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