Privates in der Arbeitszeit – Wann droht eine Kündigung?

17. Juli 2017

Ein vertrautes Bild: der Arbeitnehmer sitzt an seinem Schreibtisch und verschickt mit dem Smartphone schnell eine Mail an den besten Freund. Das ist ein gängiges Vorgehen, aber kaum jemand ist eigentlich dazu berechtigt! Wieso ist das so? Und wie sieht es aus, wenn der Chef kurzfristig Überstunden fordert oder will, dass trotz Krankschreibung von zu Hause aus gearbeitet werden soll? Bei unserer Kanzlei gibt es Tipps für jeden, der an einem reibungslosen Arbeitsverhältnis Interesse hat.

Privates Telefonieren in der Arbeitszeit

Wie bereits angesprochen, gehört privates Telefonieren in der Arbeitszeit bei vielen zur Tagesordnung. Das ist aber nur deshalb der Fall, weil es der Chef „duldet“. Jeder Chef kann solches Verhalten ohne Angabe von Gründen auf Anweisung verbieten. Ein Zuwiederhandeln hat dann für jeden Arbeitnehmer Konsequenzen. Stifung Warentest sagt zu dem Thema Handynutzung für private Zwecke folgendes: „Sie sind nicht erlaubt, auch ohne ein ausdrückliches Verbot durch den Chef“.

Jeder Angestellte hat einen Vertrag unterzeichnet, der besagt, dass Arbeitszeit dafür zu nutzen ist, die Interessen des Unternehmens wahrzunehmen. Dabei ist sicherlich nicht die Planung des Feierabends enthalten. Das Landesgericht Rheinland-Pfalz vertritt ebenfalls diese Ansicht, denn es führt aus, dass es zu den „selbstverständlichen Pflichten des Arbeitnehmers gehört, während der Arbeitszeit von der aktiven und passiven Nutzung des privaten Handys abzusehen“.
Wer dies missachtet, „stiehlt“ sozusagen die Arbeitszeit seines Chefs.

In diesem Zusammenhang ist auch zu erwähnen, dass das Aufladen des Handys ebenfalls ohne vorherige Absprache nicht gestattet ist. Das käme nämlich einem Stromdiebstahl gleich und kann vom Arbeitgeber geahndet werden.

Von zuhause aus arbeiten trotz Krankschreibung

Ist ein Arbeitnehmer erkrankt, darf der Chef ihn nicht zwingen, wieder am Arbeitsplatz zu erscheinen. Von zuhause aus arbeiten trotz Krankschreibung ist ebensowenig eine Option, die ein Chef zur Verfügung hat. Jeder Angestellte hat das Recht auf ungestörte Genesung. Voraussetzung hierbei ist natürlich die ordnungsgemäße Krankschreibung von einem Arzt und deren Vorlage beim Arbeitgeber.

Chef fordert kurzfristig Überstunden oder Mehrarbeit

Darf ein Arbeitgeber so handeln? Ja und Nein. In jedem Arbeitsvertrag gibt es Nebenpflichten, die einen Angestellten bei Notsituationen dazu verpflichten, Überstunden zu leisen. Nun ein anderes Beispiel: der Chef fordert kurzfristig Überstunden oder Mehrarbeit, weil er falsch geplant hat. Aufgrund von Fehlplanung ist kein Arbeitnehmer vertraglich verpflichtet, Überstunden zu leisten.

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Fachanwalt für Arbeitsrecht Robert Graf
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