Sicherheitsmitarbeiter geht spazieren

19. Oktober 2015

und bekommt die fristlose Kündigung.

Darf ein Sicherheitsmitarbeiter seinen Arbeitsplatz im Produktionsbereich einer Münzprägeanstalt verlassen, ohne für Ersatz zu sorgen? Die Arbeitgeberin eines Unternehmen des Wach- und Sicherheitsgewerbes war der Meinung, dass das Fehlverhalten des Mitarbeiters Anlass für eine fristlose Kündigung sei. Ein paar Tage nach der Abwesenheit des Mitarbeiters wurde nämlich festgestellt, dass Gold im Wert von rund 74.000 Euro fehlte. Das Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg stimmte der Arbeitgeberin – anders als noch das Arbeitsgericht – zu (Az. 17 Sa 810/15).

Der Sicherheitsmitarbeiter war von seiner Arbeitgeberin zur Kontrolle des Ausgangs im Produktionsbereich der Münzprägeanstalt eingesetzt worden. Der Ausgang wurde durch ein Drehkreuz gesichert, dass Mitarbeiter selbständig öffnen konnten. Wenn dieses Drehkreuz durch einen Zufallsgenerator jedoch gesperrt wurde, musste das Wachpersonal eine Personenkontrolle vornehmen.

Der Mitarbeiter suchte an dem besagten Tag aus persönlichen Gründen einen anderen Mitarbeiter der Münzprägeanstalt auf und verließ daher für längere Zeit seinen Arbeitsplatz. Er sorgte dabei nicht für personellen Ersatz und schaltete den Zufallsgenerator aus. In dieser Zeit konnte der Ausgang der Produktionsstätte ungehindert und unkontrolliert benutzt werden. Von seinem Kollegen ließ sich der Mitarbeiter den Rest eines Kunststoffrohres geben, welches er ohne den vorgeschriebenen Begleitschein zu seinem Auto brachte. Das Drehkreuz war in der gesamten Zeit unbeaufsichtigt.

Das Landesarbeitsgericht stufte das Verhalten des Arbeitnehmers als schwerwiegende Pflichtverletzung ein und war der Ansicht, dass es der Arbeitgeberin nicht zuzumuten sei, den Mann weiterhin als Sicherheitsmitarbeiter zu beschäftigen. Eine vorherige Abmahnung sei in diesem Fall nicht nötig gewesen. In einer Münzprägeanstalt gelten ganz besondere Sicherheitsbestimmungen. Der Mitarbeiter hatte die bestehenden Sicherheitsmaßnahmen ohne besonderen Anlass – also nur aus ganz persönlichen Gründen – außer Kraft gesetzt. Er hatte so die Gelegenheit für einen Diebstahl geschaffen, obwohl es ja seine Aufgabe war, genau das zu verhindern. Erschwerend kam dabei noch hinzu, dass er einen Gegenstand ohne Erlaubnis mitgenommen hatte. Auch wenn das Kunststoffrohr kaum materiellen Wert hatte, so sollte der Sicherheitsmitarbeiter doch dafür sorgen, dass die bestehenden Regeln eingehalten werden. Die Beendigung des Arbeitsverhältnis ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist war somit rechtmäßig.

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