Was ein Arbeitszeugnis erzählt

1. Juni 2015

Da Arbeitszeugnisse keine persönlichen Meinungen beinhalten dürfen, hat sich in der Arbeitswelt eine ganz eigene Sprache für Zeugnistexte entwickelt.

Ein Zeugnis soll wohlwollend sein, und so kommt es, dass man einerseits andere Arbeitgeber als Unternehmen nicht hinters Licht führen möchte, aber auf der anderen Seite der Rechtssprechung genüge getan wird.

Superlativen im Arbeitszeugnis

Typisch ist für sehr gute Leistungen die Formulierung „stets zu unserer vollsten Zufriedenheit“ – um diesen Arbeitnehmer kann man sich als Unternehmen reißen – engagiert, hellwach, zuverlässig, leistungswillig – genau dies bedeutet die Ansammlung von Superlativen.

Je mehr die Superlativen abgestuft werden um so geringer war die tatsächlich Leistung. Ohne stets und nur zu unserer Zufriedenheit bedeutet letztlich – die Leistungen ließen zu wünschen übrige oder wurden nicht durchgängig erbracht.

Kommt dann noch das Wort bemüht hinzu – dann sollte man sofort Abstand von diesem Arbeitnehmer nehmen. Bemüht meint – er hatte mühe Leistungen zu erbringen. Wer ihn trotzdem anstellt, ist tatsächlich selber schuld. Es fehlt nur noch das Wort „stets“ vor dem bemüht, das wäre dann sozusagen die Krone für eine komplette unfähige Persönlichkeit.

Neben der eigentlichen Arbeitsleistung wird auch der Umgang mit Kollegen, Vorgesetzten und Kunden bewertet. Zu den schönsten Klassikern bei Männern gehört die Formulierung „er hatte ein sehr gutes Verhältnis zum weiblichen Kollektiv“ kurz und gut, der Typ war hinter jedem Frauenrock her. Steht nichts über den Umgang mit Vorgesetzten, kann dies ein Hinweis auf dauernde Konflikte sein.

Abschlussfloskeln in Arbeitszeugnissen

Das Zeugnis wird im Idealfall mit Bedauern und bestem Dank abgeschlossen. Wer den Weggang seines Mitarbeiters nicht bedauert sagt klar „es gibt nichts zum Bedauern“ wenn dann der Weggang auch ein Verlust für die Kunden darstellt, ist das Zeugnis tadellos in trockenen Tüchern. Vorsicht bei nicht bedauern und ohne Dank, wenn dem Mitarbeiter nur alles Gute für die Zukunft gewünscht wird, ist dies ein Indiz dafür, dass der alte Arbeitgeber von dieser Zukunft nicht viel hält.

Gerne helfen wir Ihnen beim Abfassen Ihres Arbeitszeugnisses – längst lassen viele kleinere Unternehmen die Mitarbeiter selber Ihr Zeugnis verfassen. Als Fachanwalt für Arbeitsrecht steht Ihnen unsere Kanzlei in Heidelberg oder Heilbronn jederzeit zur Verfügung.



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