Zeit für neue Abenteuer – Altersteilzeit macht es möglich

26. August 2015

Rente mit 67? Für viele Arbeitnehmer ist das ein absolutes Horrorszenario. Eine interessante Alternative zum Arbeiten bis zum Umfallen ist die Altersteilzeit. Ursprünglich wurde das Altersteilzeitgesetz AltZG vor rund 20 Jahren entwickelt, um neue Arbeits- und Ausbildungsplätze zu schaffen. Jetzt freuen sich viele ältere Arbeitnehmer über die Möglichkeit, schon ein paar Jahre früher in den wohlverdienten Ruhestand zu gehen. Mehr Zeit für die Enkelkinder, einen Golfkurs oder langersehnte Abenteuerreisen haben aber auch ihren Preis. Das Einkommen verringert sich, so dass Sie sorgfältig durchrechnen sollten, ob die Altersteilzeit für Sie das passende Modell ist.

Für wen kommt eine Altersteilzeit in Frage?

Arbeitnehmer, die das 55. Lebensjahr beendet haben, können sich für den sanften Übergang in den Ruhestand entscheiden (§ 2 Abs. 1 AltTZG), wenn Sie in den letzten 5 Jahren mindestens 1.080 Kalendertage versicherungspflichtig i.S.v. SGB III beschäftigt waren. Sollten Sie in dieser Zeit Arbeitslosengeld oder ALG II bezogen haben, gilt auch diese Regelung. Was viele nicht wissen – auch Teilzeitbeschäftigte können sich für eine Altersteilzeit entscheiden. Der Zeitraum der Altersteilzeit muss aber in jedem Fall mindestens 3 Jahre betragen. Und vergessen Sie nicht, Ihren Arbeitgeber rechtzeitig zu fragen. Der muss nämlich zustimmen.

Wie funktioniert die Altersteilzeit?

Hier gibt es unterschiedliche Modelle. Am häufigsten wird das Blockmodell gewählt. Der Arbeitnehmer geht dabei sozusagen in Vorleistung. Die Altersteilzeit wird in zwei Teile – die Arbeits- und die sogenannte Freistellungsphase – zerlegt. In der Arbeitsphase stehen Sie Ihrem Arbeitgeber weiterhin mit vollem Einsatz und unveränderter Stundenzahl zur Verfügung, erhalten aber bereits das reduzierte Einkommen. In der Freistellungsphase dürfen Sie Ihre Freizeit uneingeschränkt genießen und werden weiterhin mit dem Altersteilzeit-Gehalt entlohnt. Das Blockmodell ist eigentlich ein vorgezogener Ruhestand. Damit Sie auch im Falle einer Insolvenz Ihrer Firma Ihr im Vorfeld erarbeitetes Einkommen erhalten, hat der Gesetzgeber Vorkehrungen getroffen. In § 8a des Altersteilzeitgesetzes sind Maßnahmen zur Insolvenzsicherung vorgeschrieben.

Anders sieht es beim Kontinuitätsmodell bzw. Gleichverteilungsmodell aus. Hier reduzieren Sie Ihre Arbeitszeit für den gesamten Zeitraum auf die Hälfte der Stunden. Sie gehen also nicht früher in den Ruhestand sondern arbeiten nur weniger. Wenn Sie noch nicht so genau wissen, was Sie mit Ihrer neugewonnen Freizeit anfangen wollen, ist so ein sanfter Übergang sicherlich eine Überlegung wert.

Bekomme ich nur noch das halbe Gehalt?

So verlockend der Gedanke an mehr Zeit für sich und die Familie auch ist, sollten Sie bedenken, dass Sie auch weniger Geld bekommen. Keine Angst, es ist nicht die Hälfte des Einkommens. Ihr Arbeitgeber muss Ihr Regelarbeitsentgelt nämlich in der Altersteilzeit um mindestens 20% aufstocken und kann den Betrag nach §§ 3 bis 5 des Altersteilzeitgesetzes von der Agentur für Arbeit erstattet bekommen. Detaillierte Informationen über die Berechnung erhalten Sie beispielsweise über die Deutsche Rentenversicherung und die Hotline der Agentur für Arbeit. Informieren Sie sich auf jeden Fall schon im Vorfeld sehr gründlich darüber, mit welchem Einkommen Sie rechnen dürfen. Sonst haben Sie vielleicht ausreichend Zeit für die vielen geplanten Abenteuer, aber das nötige Kleingeld fehlt.

Treffen die genannten Bedingungen auf Sie zu? Dann wünschen wir Ihnen eine wunderschöne und entspannte Altersteilzeit.

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