Zeitarbeitsverträge in der Wissenschaft

21. August 2015

 

Ganze 16 Zeitarbeitsverträge konnte ein Mathematiker aus Gießen nachweisen. 16 Mal hatte er einen solchen Vertrag bekommen, was für ihn auch 16 Mal die Unsicherheit barg, wie lange er nun weiter an der Hochschule beschäftigt sein wird. Hinzu kam noch das Alter des Mathematikers – was man als junger Wissenschaftler, der frisch seinen Abschluss gemacht hat, vielleicht noch locker wegsteckt, sieht mit einem Alter von 48 Jahren anders aus, in diesem Alter möchte man doch die Sicherheit einer Festanstellung.

Seit dem Jahr 2002 lebte und arbeitete der Mathematiker nun von Zeitarbeitsvertrag zu Zeitarbeitsvertrag. Dann war ihm das zu viel und er reichte eine Klage gegen die Hochschule ein, welche ihm bis dato immer noch keine Festanstellung geben wollte. In der ersten Instanz vor dem Arbeitsgericht bekam er damit recht und das Arbeitsgericht war der Auffassung, dass der Wissenschaftler ein Anrecht auf einen nunmehr festen, unbefristeten Arbeitsvertrag habe und der genannte Grund der Hochschule für die weitere Befristung, dass das aktuelle Projekt, mit welchem er beschäftigt war, ein Drittmittelprojekt der Hochschule, eben kein (weiterer) Grund für eine weitere Befristung wäre. Das Landesarbeitsgericht sah dies jedoch anders und ließ auch die Revision zum Bundesarbeitsgericht nicht zu.

Derartige Fälle in einem Wissenschaftsbetrieb sind nicht unüblich, Zeitarbeitsverträge haben dort auch ihre gute Berechtigung. Die wissenschaftliche Arbeit und Forschung ist sehr häufig fremdfinanziert und derartige fremdfinanzierte Wissenschafts- bzw. Forschungsprojekte sodann auch nur für einen bestimmten Zeitraum vorgesehen. Ist so ein Projekt dann beendet, endet auch diese Arbeit der beteiligten Wissenschaftler. Jedoch findet hier auch oft Missbrauch statt und verwenden Hochschulen mittlerweile ein solches für vorbenannte Fälle durchaus übliches Vorgehen auch für ihre ganz eigenen Zwecke, um den Verpflichtungen eines unbefristeten Arbeitsverhältnisses zu entgehen. Tausende von wissenschaftlichen Mitarbeitern leben mit diesem Prinzip bzw. müssen damit leben stets bzw. häufig nur einen Zeitarbeitsvertrag zu bekommen. Dies ist für diese Mitarbeiter nicht nur sehr demotivierend, sind sie doch zum größten Teil hochqualifizierte Arbeitnehmer, welche auch für die Zukunft planen möchten. Die Welt der Forschung leidet auch darunter, da viele Wissenschaftler aus diesem Grund in ein anderes Land auswandern, in welchem ihnen sehr viel mehr geboten wird. Dieser Abgang von hoch motiviertem Fachpersonal birgt auch ein großes Risiko für die Welt der Wissenschaft und Forschung, da man solches Personal nicht wie einfache Facharbeiter an der nächsten Ecke findet. Bis so ein hochqualifizierter Wissenschaftler diesen Status und Qualifikation erreicht hat, kostet dies sehr viel Geld – Hochschulen kosten Bund und Länder sehr viel Geld. Wer solchen Absolventen dann jedoch keine sichere Perspektive gibt, sorgt dafür, dass diese abwandern und bildet sodann teures und hochqualifiziertes Fachpersonal für das Ausland aus.

Hier ist die Politik gefragt für und mit den Hochschulen und dem entsprechenden wissenschaftlichen Fachpersonal Regelungen bzw. Neuregelungen zu schaffen.

Im Herbst dieses Jahres soll dies geschehen. Man darf gespannt sein.

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Quelle: juris



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