Zeugnis

29. Mai 2015

Als Fachanwalt für Arbeitsrecht sind wir immer wieder mit Fragen rund um das Zeugnis konfrontiert. Interessant dabei ist, die wenigsten Menschen wissen – es gibt ganz unterschiedliche Formen von Zeugnisarten.

Die juristische Grundlage für ein Zeugnis bildetet in Deutschland der Paragraf 109 der Gewerbeordnung (GewO). Darin ist ausdrücklich festgehalten, dass jeder Arbeitnehmer Anspruch auf ein schriftliches Zeugnis hat und dieses Zeugnis nicht in elektronischer Form vorliegen darf.

Bereits im Absatz 1 des Paragrafen 9 wird zwischen einem qualifizierten und einem einfachen Zeugnis unterschieden.

Was ist ein einfaches Arbeitszeugnis?

Ein einfaches Zeugnis umfasst lediglich Angaben über Art der Tätigkeit und die Dauer des Arbeitsverhältnisses. Es ist also eher eine Arbeitsbescheinigung, denn ein wirkliches Arbeitszeugnis.

Das qualifizierte Arbeitszeugnis

Im qualifizierten Zeugnis werden wiederum Angaben über die Art der Tätigkeit und die Dauer des Arbeitsverhältnisses gemacht. Darüber hinaus beinhaltet das Zeugnis jedoch auch Angaben über die Leistungen des Mitarbeiters sowie sein Verhalten am Arbeitsplatz gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Kunden.

Auszubildende fallen nicht unter Paragraf 9 GewO, sondern unter das Berufsbildungsgesetz(BBiG) und dort unter den Paragrafen 16.

Neben diesen zwei Zeugnisarten kommt das sogenannte „vorläufige“ Arbeitszeugnis zum Zuge. Zwischen der Einreichung der Kündigung und dem Ablauf der Kündigungsfrist hat der Arbeitnehmer Anspruch auf ein „vorläufiges Arbeitszeugnis“. Ein Recht auf dieses „vorläufige Arbeitszeugnis“ gilt auch dann, wenn eine Kündigungsklage vorliegt.

Vorläufiges Arbeitszeugnis

Das vorläufige Arbeitszeugnis ersetzt nicht das eigentliche Zeugnis. Es gilt nach dem Ende der Kündigungsfrist muss immer ein Zeugnis ausgestellt werden, auch dann, wenn ein vorläufiges Arbeitszeugnis erstellt wurde.

Der Arbeitgeber ist also grundsätzlich gesetzlich verpflichtet seinen Angestellten ein Zeugnis auszustellen, allerdings muss der Angestellte dieses Zeugnis ausdrücklich verlangen. Der Arbeitgeber ist nicht verpflichtet, ohne Aufforderung des Mitarbeiters ein Zeugnis auszustellen.

Wichtig

Beim Arbeitszeugnis gilt – der Angestellte hat Anspruch auf ein wahres und wohlmeinendes Zeugnis. Was ist damit genau gemeint? Grundsätzlich dürfen in Zeugnissen keine Vermutungen, Interpretationen und ähnliches drin stehen. Ein Zeugnis soll dem Angestellten für die Zukunft keine Probleme bereiten. Der Zeugnistext soll möglichst Objektiv sein.

Diese Pflicht zur Wahrheit hat in den letzten Jahrzehnten zu einer ganzen Reihe von interessanten Formulierungen geführt, die an Hochschulen zum Unterrichtsstoff für Ökonomen gehören.

Mit diesen Formulierungen werden wir uns ausführlich im nächsten Artikel befassen. Benötigen Sie ein Zeugnis oder haben Sie andere Fragen rund um Zeugnisarten? Kontaktieren Sie uns unverbindlich – als Fachanwalt für Arbeitsrecht stehe ich Ihnen mit einer Kanzlei in Heilbronn und Heidelberg jederzeit zur Verfügung.



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